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PROGRAMM KLASSIK 2022

 Carl Maria von Weber (1786-1826)

 

Carl Maria von Weber wurde 1786 im holsteinischen Eutin als Sohn des Musikers und Impresarios Franz Anton von Weber geboren. Bereits früh erhielt er seinen ersten Musikunterricht, im Wesentlichen vervollkommnete er seine Ausbildung jedoch bei Michael Haydn und Georg Joseph Vogler. Mit knapp 18 Jahren erhielt er eine erste Kapellmeisterstelle in Breslau, die er jedoch nur kurz innehatte. Es schlossen sich unstete Reisejahre an. Erst 1813 nahm Weber eine feste Stelle als Operndirektor am Ständetheater in Prag an. 1816 erhielt er schließlich die Berufung als Musikdirektor der neu gegründeten Deutschen Oper in Dresden, wo er 1817 die Sängerin Caroline Brandt heiratete und eine Familie gründete. Sein größter künstlerischer Erfolg wurde die Premiere der Oper „Der Freischütz“ 1821 in Berlin. Wenige Wochen nach der Uraufführung der Oper „Oberon“ starb Weber im Juni 1826 in London. Dort wurde er unter großer Anteilnahme beigesetzt. Auf Betreiben Richard Wagners überführte man seine sterblichen Überreste 1844 nach Dresden. Zur musikalischen Begleitung des Fackelzugs zu Webers letzter Ruhestätte diente eine von Wagner arrangierte Trauermusik auf Motive aus Weber Oper „Euryanthe“.

 

Jubel-Ouvertüre E-Dur op. 59

 

Webers opulent besetzte Jubel-Ouvertüre op. 59 entstand anlässlich der 50-Jahrfeier des Regierungsantritts König Friedrich Augusts I. von Sachsen und wurde am 20. September 1818 in Dresden uraufgeführt. Als Grundtonart für das Werk hat Weber das hell und brillant klingende E-Dur gewählt, in deren Klangcharakter der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart „lautes Aufjauchzen, lachende Freude“ zu erkennen glaubte. Die langsame Einleitung der Ouvertüre hebt glanzvoll im vollen Orchester mit wuchtigen Punktierungen und repräsentativen Paukenwirbeln an. Dem entgegen setzt Weber ein kontrastierendes zartes Thema der Holzbläser, dessen hymnische Gestik gleichsam dem festlichen Entstehungsanlass der Ouvertüre geschuldet ist. Der Presto-Teil bringt ein jubilierendes Hauptthema, das gleich in den ersten Takten einen gewaltigen Ambitus durchmisst. Der brillante Grundzug kommt nicht zuletzt durch die hoch geführten Violinen zustande. Als Gegenthema bringt Weber eine tänzerisch-leichtfüßige Melodie der Holzbläser, die in ihrer Eleganz bereits auf Mendelssohn vorausweist. Anstatt ein drittes Thema einzuführen, deutet Weber diesen Seitensatz instrumentatorisch um und fügt ihm eine virtuose Schlussgruppe an. Die kurze Durchführung spielt mit eben diesem Material, bevor entsprechend dem Prinzip der Sonatensatzform die Reprise einsetzt. Die Coda des Werks bildet eine instrumentale Version der Hymne „Heil Dir im Siegerkranz“, die seit 1795 als preußischer Volksgesang fungierte und später zur deutschen Kaiserhymne wurde. Die bekannte Melodie geht auf die aus der Barockzeit stammende englische Nationalhymne „God Save the King“ zurück.
 

Richard Strauss (1864-1949)

 

Richard Strauss wurde 1864 in München als Sohn des Hornisten Franz Strauss geboren. Bereits früh zeigte sich das musikalische Talent des Jungen, der im Alter von sechs Jahren zu komponieren begann. 1882 begann Strauss ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität München, das er jedoch bald abbrach, um sich ganz der Musik widmen zu können. Durch Förderung des Hofkapellmeisters Hermann Levi und des Dirigenten Hans von Bülow fasste Strauss schnell im Musikbetrieb Fuß, seine erste Stelle trat er 1885 als Kapellmeister am Meiniger Hof an. Weitere Stationen führten ihn als Kapellmeister nach München, Weimar und Berlin. Seinen Ruf als Komponist festigte Strauss in der Zwischenzeit mit seinen Tondichtungen „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ „Also sprach Zarathustra“ und „Don Quixote“. Internationalen Ruhm erlangte er schließlich durch seine Opern „Salome“ (1905) und „Elektra“ (1909). 1919 übernahm Strauss die Leitung der Wiener Hofoper, die er fünf Jahre lang innehatte. In der Folge konzentrierte sich Strauss schließlich ganz auf sein Opernschaffen sowie auf seine Gastdirigate im In- und Ausland. Er galt zeitlebens als einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Komponisten. Mit zahlreichen Auszeichnungen dekoriert und von aller Welt verehrt starb Strauss am 8. September 1949 in Garmisch.

 

Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 8

 

    I.    Allegro

    II.   Lento, ma non troppo

    III.  Prestissimo

 

Sein einziges Violinkonzert schrieb Strauss noch als Gymnasiast in den Jahren 1881 bis 1882. Er erinnerte sich noch später daran, die Skizze des Werkes „in [der] Unterprima in ein Klassenheft hineingeschrieben“ zu haben. Bei der Komposition orientierte er sich an der klassischen dreisätzigen Konzertform, bei der zwei schnelle Sätze einen ruhigen Mittelsatz umrahmen. Unüberhörbar ist, dass dem jungen Künstler die berühmten Violinkonzerte von Beethoven, Mendelssohn und Bruch als Vorbilder vor Augen standen. Von Beethoven übernahm Strauss den Hang zu intensiver motivisch-thematischer Arbeit, Mendelssohns Einfluss zeigt sich in den interpolierten Kadenzen im ersten Satz sowie in der Kombination von hochvirtuoser Attitüde und eleganter Melodik im letzten Satz, und Bruchs romantisch-poetischer Geist mag den jungen Komponisten insbesondere zum gefühlvollen langsamen Satz inspiriert haben. Strauss widmete das prächtig instrumentierte Werk seinem Violinlehrer Benno Walter, der ein Cousin seines Vaters war. Bei der Uraufführung am 5. Dezember 1882 in Wien kam das Werk zunächst in einer vom Komponisten erstellten Fassung für Violine und Klavier zur Gehör, bei dem der Widmungsträger den Solopart und Strauss selbst den Klavierpart übernahm. Die Premiere der Orchesterfassung erfolgte erst 1896 in Leipzig mit Alfred Krasselt als Solisten und Strauss am Dirigentenpult. Die Kritik fand überaus lobende Worte für Strauss‘ Jugendwerk und hob besonders die „glänzende und sehr wirkungsvolle Behandlung des Soloinstruments“ hervor, man war sogar der Meinung, dass Strauss‘ Schöpfung das Potenzial hätte, das damals auf den Konzertprogrammen allgegenwärtige g-Moll-Violinkonzert von Max Bruch zu verdrängen.

 

Robert Schumann (1809-1856)

 

Robert Schumann wurde 1809 in Zwickau als Sohn eines Buchhändlers geboren. Bereits mit sieben Jahren erhielt er seinen ersten Musikunterricht, und Schumann erwog bereits früh sich professionell der Musik zu widmen. Der Tod des Vaters zwang ihn jedoch schließlich in ein „Brotstudium“ und so begann er in Leipzig Jura zu studieren. Dort kam er in Kontakt mit seinem späteren Schwiegervater, dem Klavierlehrer Friedrich Wieck. Sein Studium setzte Schumann zunächst in Heidelberg fort, widmete sich jedoch immer stärker der Musik, so dass er von der Mutter die Erlaubnis erhielt, das Studium aufzugeben und seine musikalische Ausbildung bei Wieck in Leipzig fortzusetzen. Wegen einer Lähmung in der rechten Hand musste Schumann jedoch die angestrebte Virtuosenlaufbahn aufgeben. Seine Existenz sicherte er sich als Musikschriftsteller und Kritiker sowie zunehmend auch als Komponist. Felix Mendelssohn holte Schumann 1843 als Lehrer an das neugegründete Leipziger Konservatorium, doch schon im Jahr darauf zog Schumann nach Dresden, wo er privaten Musikunterricht erteilte und die dortige Liedertafel leitete. 1850 wurde er zum Städtischen Musikdirektor in Düsseldorf ernannt, konnte diese Stelle wegen seines Nervenleidens jedoch nur unzureichend ausfüllen. 1854 stürzte er sich in selbstmörderischer Absicht in den Rhein, wurde jedoch gerettet und in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn eingewiesen, wo er 1856 starb.

 

Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38 „Frühlingssymphonie“

 

    I.     Andante un poco maestoso – Allegro molto vivace

    II.    Larghetto

    III.   Scherzo. Molto vivace

    iV.   Allegro animato e grazioso

 

In einem wahren Schaffensrausch skizzierte Schumann im Januar 1841 in nur vier Tagen seine erste große Orchesterkomposition, die Symphonie B-Dur op. 38. Sie markiert den Beginn der wohl glücklichsten Zeit seines Lebens. Der lange Kampf um seine große Liebe Clara Wieck war endlich ausgefochten, nach einem gewonnenen Prozess gegen seinen künftigen Schwiegervater konnte er Clara im September 1840 heiraten und einen eigenen Hausstand gründen. Clara nahm intensiven Anteil an der Entstehung der ersten Sinfonie ihres Mannes und hielt ihm während dieser hochkreativen Phase den Rücken frei, obwohl sie selbst infolge ihrer ersten Schwangerschaft mit Übelkeit und „Unwohlseyn“ zu kämpfen hatte. Nachdem Schumann ihr die Sinfonie auf dem Klavier vorgespielt hatte, schrieb sie im Februar 1841: „Ich wurde ganz gesund und musikalisch dabei. Ich möchte mich wohl ein wenig nach meiner Art über die Symphonie aussprechen, doch ich würde nicht fertig zu reden von den Knöspchen, dem Duft der Veilchen, den frischen grünen Blättern, den Vögeln der Luft, was man Alles in jugendlichster Kraft leben und weben sieht.“ Die Uraufführung der Symphonie am 31. März 1841 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy wurde zum Triumph für den Komponisten, und schon bald wurde das Werk im In- und Ausland nachgespielt. Der von Schumann selbst herrührende Titel des Werks lässt zwar ein musikalisches Programm vermuten, der Komponist wollte mit dem Titel jedoch vielmehr eine poetische Gesamtidee vermitteln. Sein Wunsch war es, musikalischen jenen „Frühlingsdrang“ auszudrücken, „der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinauf in jedem Jahr von neuem überfällt.“ Die ursprünglich vorgesehenen vier Satztitel „Frühlingsbeginn – Abend – Frohe Gespielen – Voller Frühling“ tilgte Schumann denn auch alsbald wieder, um die Fantasie des Hörers nicht in ein Korsett allzu bildhafter Assoziationen zu zwängen. Die Idee zur musikalischen Keimzelle der Symphonie, die gleich zu Beginn in der langsamen Einleitung prachtvoll von den Blechbläsern vorgestellt wird, ging von einem poetischen Text aus, einem Gedicht von Schumanns Zeitgenossen Adolf Böttger, dessen Schlussverse lauten: „O wende, wende deinen Lauf – / Im Tale blüht der Frühling auf.“ Dem einleitenden Motto der Sinfonie kann  man problemlos diese Worte unterlegen.

Dr. Timo Jouko Herrmann, musikalische Leitung

 

Timo Jouko Herrmann studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim Komposition bei Prof. Ulrich Leyendecker sowie Musikwissenschaft bei Prof. Dr. Hermann Jung, bei dem er über Antonio Salieris deutschsprachige Bühnenwerke promovierte. Seine dirigentische Ausbildung erhielt er bei Prof. Klaus Arp.

Schon zu Studienzeiten wurde Herrmann mit vielen Preisen bedacht, darunter der Kompositionspreis von SAP SE und Stadt Walldorf und der Gebrüder-Graun-Preis sowie Stipendien der Wilhelm-Müller-Stiftung, der Vereinigung „Yehudi Menuhin – Live Music Now“ und der Händel-Akademie Karlsruhe.

Er schuf u. a. Werke für das Gewandhaus zu Leipzig (Fünf Fabeln nach Jean de la Fontaine), die Oper Dortmund (Hamlet – Sein oder Nichtsein) und das Theater für Niedersachen Hildesheim (Fama). Seine Kompositionen erscheinen beim Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig und beim Verlag Neue Musik Berlin in Druck.

Herrmann gilt als einer der wenigen international anerkannten Salieri-Forscher. Seine musikwissenschaftlichen Publikationen über Salieri werden als Standardwerke zu Leben und Werk des Komponisten angesehen, sie wurden u.a. im Fachblatt „Die Musikforschung“ und im Feuilleton des „New Yorker“ gewürdigt. Durch die sensationelle Wiederentdeckung des von Salieri und Mozart gemeinsam vertonten Freudenliedes „Per la ricuperata salute di Ofelia“ KV 477a erlangte er weltweite Bekanntheit. Als musikwissenschaftlicher Berater ist er international tätig. Für viele Solisten, Ensembles und Orchester konzipierte und betreute er CD-Einspielungen, darunter eine Grammy-nominierte Aufnahme mit dem Mannheimer Mozartorchester.

Als Dirigent widmet sich Herrmann besonders der Musik der Wiener Klassik und der Frühromantik sowie der Moderne, sein Repertoire reicht dabei von der Sinfonik über das Oratorium bis hin zur Oper. Seit 2014 steht er regelmäßig als Gastdirigent am Pult der Heidelberger Sinfoniker, mit denen er in ganz Deutschland konzertiert. Ihre gemeinsamen CDs „Salieri – Strictly private“ und „Salieri & Beethoven in Dialogue“ wurden 2020 und 2021 in jeweils drei Kategorien für den OPUS KLASSIK nominiert. Im Juni 2021 übernahm er als musikalischer Leiter die klassische Abteilung des SAP Sinfonieorchesters.

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Alexander Galushkin, Violine

 

Alexander Galushkin, 1973 geboren in Almaty, Kasachstan, beendete sein Studium 1997 am Staatlichen Konservatorium Almaty in der Klasse von Aiman Mussakhajayeva, Professorin an den Konservatorien in Moskau, und Almaty und der Nationalen Universität der Künste.

Er ist mehrfacher Preisträger der Landeswettbewerbe für Violine in Kasachstan und Preisträger des internationalen Abram Jampolski Wettbewerbs in Moskau.

Alexander Galushkin trat als Solist und Kammermusiker in Deutschland, Italien, Russland, Kasachstan, Südkorea, Frankreich und den USA auf. Er spielte unter anderem mit dem Staatlichen Kammerorchester „Die Akademie der Solisten“ in Kasachstan, der Jungen Philharmonie Köln und der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg. 

Alexander Galushkin unterrichtet Violine an der Lucie-Kölsch-Musikschule der Stadt Worms sowie der Jugendmusikschule des Überwaldes und Weschnitztales. Daneben ist er Konzertmeister und Gründungsmitglied der Sinfonietta Worms und Violinist im SAP Sinfonieorchester (Tutti und Solo).

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